Donnerstag, 5. Dezember 2019

DIE TALIBAN KÖNNEN IHRE NIEDERLAGE NICHT DENKEN UND SIND DESHALB UNBESIEGBAR!




AKK ist in Kundus bei deutschen Soldaten, und dort ist die Ratlosigkeit überall spürbar, weil die Islamisten und dabei letztendlich maßgeblich die Taliban die Regeln nicht beachten, die man in Europa erwarten würde.

Eine zur Kapitulation zwingende militärische Niederlage ist für die Taliban nie eingetreten, weil große Verluste und sogar der Verlust des eigenen Staatsgebiets am religiösen Auftrag, den sie sich selbst gegeben beziehungsweise den sie (im Gehorsam gegenüber Allah) eigenständig angenommen haben, nichts ändert: “Die Pflicht zum Dschihad ist erst vorbei, wenn der Islam gesiegt hat”, und deshalb hat es auch keine Bedeutung wie lange dieser Krieg noch dauert.

Nach westlichen Maßstäben
würde eine Armee und die ihr zugeordnete politische Organisation einlenken, wenn ihre eigene militärische Handlungsfähigkeit entscheidend eingeschränkt wurde, und in Europa würde man dann erwarten, dass nach einigermaßen akzeptablen Regeln über die Friedensbedingungen und die weitere Zukunft durch den Sieger allein oder besser in Absprache mit dem Siegern entschieden wird.

Ganz anders in Afghanistan:
Denn die >>faktische militärische Situation hat (für das Selbstverständnis der Taliban) keinerlei Bedeutung<<. Eine äußere Situation, die ihre Niederlage definieren würde, ist, sogar im Falle ihrer physischen Auslöschung (Völkermord), für die Taliban gar nicht denkbar.
Vielmehr empfinden die Afghanen unabhängig vom Kriegsglück EINEN HEILIGEN AUFTRAG, >>“verloren” hätten sie demzufolge nur dann, wenn sie aufgeben würden, also dem Auftrag und Gebot Allahs nicht mehr gehorsam wären<<, und >diese Gedankengänge sind Konsens in Afghanistan<, das heißt sie sind überall und in (fast) jeder afghanischen Frau, die ihre Söhne geben (opfern) würde, und in vielen jungen Afghanen, die für den Islam kämpfen wollten, aktivierbar und dies auch nach einer mehrjährigen “Ruhephase”, in der in Afghanistan ganz andere politische Verhältnisse vorlagen und offiziell ganz andere Diskurse stattfanden: Fällt ein Soldat der Regierungstruppen, dann ist dies ein großer Verlust für seine Eltern, denn der Sohn sollte die Altersversorgung seiner Eltern sichern; stirbt aber derselbe Sohn auf Seiten der Taliban, dann ist nicht nur er selbst im Paradies, sondern auch seine Eltern sind dem verheißenen Paradies deutlich näher gerückt — dieser Unterschied ist fundamental und über alle Maßen sinnstiftend und bedeutungsgeladen.

Und auf dieser ideologischen Grundlage, die auch durch wohlwollendes praktisches Handeln flankiert wird, so müssen beispielsweise alle gläubigen Muslime den alternden Eltern von Märtyrern in der Not materiell beistehen, “bewegen sich die Taliban wie Fische im Wasser” (abgewandeltes Mao-Zitat), weil sie auf ein ganz tiefes Einvernehmen und breites Selbstverständnis bauen können und auch auf diese “typisch orientalische >Geschmeidigkeit<” setzen, die es afghanischen Bauern problemlos erlaubt zugleich mit den Regierungstruppen und den Taliban bestens auszukommen. Fragt man die einfachen Afghanen aber nach ihrem Favoriten, dann würden sie ehrlicherweise die Taliban nennen: Denn die Taliban verkörpern “das Ideal der einfachen Afghanen” in einer >Mischung aus Gläubigkeit, Gelehrsamkeit und Unbestechlichkeit< -, jedenfalls konnten die Taliban genau diesen Ruf meist aufrecht erhalten, und sie unterscheiden sich dadurch diametral von der korrupten Regierung in Kabul, die sich nur durch Ungläubige an der Macht halten kann.

Unendlich viele weitere Details ließen sich vortragen, und das Ergebnis all dessen ist klar: Wenn sich Afghanen nach einem Selbstmordanschlag auf Einrichtungen westlicher Institutionen in Kabul nicht über die Taliban aufregen, die den Anschlag verübten, sondern wütend und alles kurz und klein schlagend ihrerseits genau jene Einrichtungen (des Westens) angreifen, die Stunden zuvor durch die Taliban per Bombenanschlag und bewaffnetem Angriff attackiert worden waren, dann sollte auch der verstockteste Westler seine “wohlfeilen ÜBERTRAGUNGEN” endlich sein lassen und zur Kenntnis nehmen, dass Afghanistan eben nicht Deutschland ist.

Alles menschliche Interagieren basiert auf >der Art des Denkens der betreffenden Personen<, und “diese Art des Denkens” unterscheidet sich in Afghanistan ganz erheblich von den Üblichkeiten in Europa oder den USA, und >>diese Trivialität ist endlich zur Kenntnis zu nehmen<<!



Link zum Medienbeitrag:

Link zur Veröffentlichung:




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen