DIE TALIBAN KÖNNEN IHRE NIEDERLAGE NICHT DENKEN UND SIND DESHALB UNBESIEGBAR!
AKK
ist in Kundus bei deutschen Soldaten, und dort ist die Ratlosigkeit
überall spürbar, weil die Islamisten und dabei letztendlich maßgeblich
die Taliban die Regeln nicht beachten, die man in Europa erwarten würde.
Eine
zur Kapitulation zwingende militärische Niederlage ist für die Taliban
nie eingetreten, weil große Verluste und sogar der Verlust des eigenen
Staatsgebiets am religiösen Auftrag, den sie sich selbst gegeben
beziehungsweise den sie (im Gehorsam gegenüber Allah) eigenständig
angenommen haben, nichts ändert: “Die Pflicht zum Dschihad ist erst
vorbei, wenn der Islam gesiegt hat”, und deshalb hat es auch keine
Bedeutung wie lange dieser Krieg noch dauert.
Nach westlichen Maßstäben
würde
eine Armee und die ihr zugeordnete politische Organisation einlenken,
wenn ihre eigene militärische Handlungsfähigkeit entscheidend
eingeschränkt wurde, und in Europa würde man dann erwarten, dass nach
einigermaßen akzeptablen Regeln über die Friedensbedingungen und die
weitere Zukunft durch den Sieger allein oder besser in Absprache mit dem
Siegern entschieden wird.
Ganz anders in Afghanistan:
Denn
die >>faktische militärische Situation hat (für das
Selbstverständnis der Taliban) keinerlei Bedeutung<<. Eine äußere
Situation, die ihre Niederlage definieren würde, ist, sogar im Falle
ihrer physischen Auslöschung (Völkermord), für die Taliban gar nicht
denkbar.
Vielmehr
empfinden die Afghanen unabhängig vom Kriegsglück EINEN HEILIGEN
AUFTRAG, >>“verloren” hätten sie demzufolge nur dann, wenn sie aufgeben
würden, also dem Auftrag und Gebot Allahs nicht mehr gehorsam wären<<, und
>diese Gedankengänge sind Konsens in Afghanistan<, das heißt sie
sind überall und in (fast) jeder afghanischen Frau, die ihre Söhne geben
(opfern) würde, und in vielen jungen Afghanen, die für den Islam kämpfen wollten, aktivierbar und dies auch nach einer mehrjährigen “Ruhephase”,
in der in Afghanistan ganz andere politische Verhältnisse vorlagen und
offiziell ganz andere Diskurse stattfanden: Fällt ein Soldat der
Regierungstruppen, dann ist dies ein großer Verlust für seine Eltern,
denn der Sohn sollte die Altersversorgung seiner Eltern sichern; stirbt
aber derselbe Sohn auf Seiten der Taliban, dann ist nicht nur er selbst
im Paradies, sondern auch seine Eltern sind dem verheißenen Paradies
deutlich näher gerückt — dieser Unterschied ist fundamental und über
alle Maßen sinnstiftend und bedeutungsgeladen.
Und
auf dieser ideologischen Grundlage, die auch durch wohlwollendes
praktisches Handeln flankiert wird, so müssen beispielsweise alle
gläubigen Muslime den alternden Eltern von Märtyrern in der Not
materiell beistehen, “bewegen sich die Taliban wie Fische im Wasser”
(abgewandeltes Mao-Zitat), weil sie auf ein ganz tiefes Einvernehmen und
breites Selbstverständnis bauen können und auch auf diese “typisch
orientalische >Geschmeidigkeit<” setzen, die es afghanischen
Bauern problemlos erlaubt zugleich mit den Regierungstruppen und den
Taliban bestens auszukommen. Fragt man die einfachen Afghanen aber nach
ihrem Favoriten, dann würden sie ehrlicherweise die Taliban nennen: Denn
die Taliban verkörpern “das Ideal der einfachen Afghanen” in einer
>Mischung aus Gläubigkeit, Gelehrsamkeit und Unbestechlichkeit< -,
jedenfalls konnten die Taliban genau diesen Ruf meist aufrecht
erhalten, und sie unterscheiden sich dadurch diametral von der korrupten
Regierung in Kabul, die sich nur durch Ungläubige an der Macht halten
kann.
Unendlich
viele weitere Details ließen sich vortragen, und das Ergebnis all
dessen ist klar: Wenn sich Afghanen nach einem Selbstmordanschlag auf
Einrichtungen westlicher Institutionen in Kabul nicht über die Taliban
aufregen, die den Anschlag verübten, sondern wütend und alles kurz und
klein schlagend ihrerseits genau jene Einrichtungen (des Westens)
angreifen, die Stunden zuvor durch die Taliban per Bombenanschlag und
bewaffnetem Angriff attackiert worden waren, dann sollte auch der
verstockteste Westler seine “wohlfeilen ÜBERTRAGUNGEN” endlich sein
lassen und zur Kenntnis nehmen, dass Afghanistan eben nicht Deutschland
ist.
Alles menschliche Interagieren basiert auf >der Art des Denkens der
betreffenden Personen<, und “diese Art des Denkens” unterscheidet
sich in Afghanistan ganz erheblich von den Üblichkeiten in Europa oder
den USA, und >>diese Trivialität ist endlich zur Kenntnis zu
nehmen<<!
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